Die Zeit der schlafenden Hunde
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Wer hat schuld?
von A13B4K9BZ9BVAFDiese Geschichte gibt in der Person Johanna und auf zweiter Ebene auch in ihrem Umfeld die Spannung wider, die ich generell in Deutschland und der Sicht auf Deutschland beobachte. In den Medien ist der Nationalsozialismus immer noch ein großes Thema, im Ausland kommt es immer noch gelegentlich vor, dass man als Deutscher auf den Nationalsozialismus angesprochen wird. Auf der anderen Seite ist eine Stimmung des Überdrusses zu beobachten. Langsam sollte es mal gut sein mit dem Thema. Ahnungslosigkeit, Schuldlosigkeit, Verdrängung, Schuldhaftigkeit. Alles ist zu finden. Johanna ist an sich unschuldig an den Taten ihres Großvaters, doch macht sie sich vielleicht indirekt mitschuldigt, wenn sie das von ihm geerbte Geld annimmt? Wenn sie ihn weiterhin als netten Großvater in Erinnerung behält, der ihr selbst nie etwas angetan hat? Sollte man mit der Vergangenheit wirklich abschließen? Diese Fragen stellt sie sich und wirft damit ähnliche Fragen im Leser auf. Ihr Vater hingegen, eine Generation näher an der Schuld dran, ist ein Meister der Verdrängung. Er hatte ja nur seinen Vater und will Harmonie um jeden Preis. Auf der einen Seite ist das verständlich, auf der anderen Seite falsch, illusorisch. Die Hunde schlafen nur. Johanna befindet sich im inneren Kampf, ob sie sie wecken soll.
Mirjam Pressler hat meiner Meinung nach eine überzeugende Auseinandersetzung mit dem Thema Nationalsozialismus aus einer interessanten Perspektive heraus entworfen. Ich kann nicht mit anderen Rezensenten übereinstimmen, wenn sie das Buch langweilig nennen oder der Autorin vorwerfen, sie sei zu alt, um noch Bücher für Jugendliche zu schreiben. Ich finde, es gibt schon zu viele "Küsse-Kichern-Klamottenkatastrophen-Bücher". Einziger Schwachpunkt an diesem Roman scheint mir die willentliche Vergewaltigung Johannas durch den Enkel der jüdischen Frau in Israel zu sein, deren Famile der Großvater damals das Modehaus abgeknapst hat. Der Täter macht sich zum Opfer, um seine Tat auszugleichen, um Gerechtigkeit zu schaffen. Andere Wiedergutmachungsmaßnahmen sind hier viel überzeugender, z.B. die Szene, in der Johanna mit ihrem Freund auf dem jüdischen Friedhof einen Stein auf jeden Grabstein legt, um zu zeigen, dass es immer noch Menschen gibt, die ihrer gedenken.
Gelungene Auseinandersetzung mit der Vergangenheit
von A2XY2A4IV2EK17Die achtzehnjährige Johanna ist behütet in einer kleinen Stadt aufgewachsen, das Leben der Familie stand stets im Zeichen des traditionsreichen, familieneigenen Modehauses.
Mit ihrer Geschichts-AG reist Johanna nach Israel, um dort acht Frauen zu besuchen, die bis zur Nazizeit das Gymnasium besucht haben, auf das Johanna heute geht.
Nach dieser Reise ist nichts mehr so wie früher, denn Meta Levin, eine jener acht Frauen, hat hasserfüllt von Johannas Großvater als verdammter Nazi" gesprochen. Erhard Riemenschneider, Johannas geliebter Opa, soll sich am Leid der jüdischen Familie bereichert haben und für ein Butterbrot das Modegeschäft von Frau Levins Eltern gekauft haben, das die Grundlage für seinen heutigen Reichtum bildet.
Johanna ist entsetzt. Sie versucht sich mit diesen Tatsachen auseinanderzusetzen und gerät dabei auch mit ihrem Vater in Konflikt. Wer war ihr Großvater wirklich? Sie versucht Nachforschungen anzustellen und mehr über diesen Mann herauszufinden, der anscheinend ganz anders war als der Opa, den sie kannte...
Eine berührende, unaufgeregt erzählte Auseinandersetzung mit der deutschen Nazivergangenheit, die nur an einer Stelle etwas zu sehr mit erhobenem Zeigefinger daherkommt. Man kann sich als Hörer sehr gut in Johanna hineinversetzen, was nicht zuletzt an der hervorragenden Lesung durch Eva Gosciejewicz liegt, deren helle, klare Stimme Johanna förmlich vor dem Auge des Lesers erstehen lässt und mit einer einfühlsamen, ruhigen Vortragsweise genau den Nerv des Textes trifft.
Langeweile ohne Ende!
von A3AXC4CMOD3D25In dem Buch soll es um die Auseinandersetzung mit der Schuld, die Großeltern und Eltern in der Nazizeit auf sich geladen haben, gehen. Die Erzählerin fühlt sich selbst schuldig, das wird durch ihr ewiges Sich Schlechtfühlen und Rumgehänge klar. Weshalb sie sich schuldig fühlt, wird dagegen in keinster Weise klar, da der Leser darüber über Seiten hinweg nichts erfährt.
Die Autorin versucht dies durch Rückblenden zu vermitteln, fügt diese aber in eine dermaßen langweilige und ereignislose Geschichte ein, dass es zum Einschnarchen ist. Irgendwann habe ich die endlos langweiligen Passagen über das Kaffeetrinken daheim, bei Freunden, bei der Lehrerin einfach überblättert um endlich zu erfahren, was genau eigentlich damals in der Nazizeit passiert ist.