Das Gedächtnis der Lüge

Das Gedächtnis der Lüge

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von AMWS1C4CGL469
Miriam, eine Frau von heute, liiert mit einem Türken - und Maria, die Miriam aufzog und in Heinrich Himmler verliebt war: Die Enkelin und die Oma waren sich nie besonders nah. Die Figuren haben körperlich wie seelisch viele Blessuren und machen es dem Leser zunächst nicht einfach, sich auf sie einzulassen. Wer es trotzdem wagt, wird belohnt. In wunderschöner, poetischer Sprache und bisweilen mit etwas Magie vermittelt Rebecca Abe geschichtliche Zusammenhänge. Eine ungewöhnliche Familiengeschichte, die viele LeserInnen verdient. 
von AUH22Q0ED99SP
Die Sprache der Autorin erzeugt eine düstere Atmosphäre, die schon durch das in Erdfarben gehaltene Cover mit dem unheimlichen Motiv angedeutet wird. Dieses Motiv wird später im Roman eine wichtige Rolle spielen.
Miriam ist zwar verliebt in den Türken Orhan, doch als sie Schwanger wird, ist sie sich nicht sicher über die Zukunft.
Eine zweite Handlungsebene spielt sich zur Zeit des Nationalsozialismus ab, mit Miriams Großmutter Maria Ringhofer, die mit dem Postboten Alfred verheiratet ist. Doch sie träumt von mehr, eine Karriere Alfreds bei der SS oder ein Kind für den Führer, sie arbeitet sogar als Küchenhilfe in einem Lebensborn. Ein wenig bekanntes Thema, zu dem die Autorin anscheinend intensiv recherchiert hat.
Beide Ebenen sind fest miteinander verknüpft. Große Teile der Geschichte werden über Erinnerungen transportiert.
Durch eine raffinierte Erzählungsvariante, die verschüttete Erinnerungen der Protagonistin freilegt, kommt noch die Geschichte um Tonka aus Norwegen hinzu, die dem berühmten expressionistischen Maler Edward Munch gegen Ende dessen Leben Model stand. Edward Munch tritt als handelnde Figur leider nur ganz kurz auf.

Es ist überraschend wie viele Details in dem Buch geboten werden, dabei wird auf überflüssiges und ausschmückendes bewusst verzichtet. Dadurch entsteht eine Klarheit in Text und Sprache in vielen kurzen Kapiteln.

Rebecca Abe wagt das Risiko, über deutsche Vergangenheitsbewältigung der schweren Art zu schreiben, indem Miriam die Vergangenheit ihrer Großmutter und ihrer eigenen Identität erforscht. Der Autorin gelingt es gut, indem sie ihre Figuren nie verrät, aber auch nicht im Geringsten schönt oder schont.

Ein intensiv erzählter Roman, der eine soghafte Wirkung entwickelt und der mich aufgrund des Ideenreichtums und der eigenständigen Sprache gefesselt und fasziniert hat.
 
von A1MYMBUQN77YWL
Rebecca Abe hat ein besonderes Buch geschrieben. Man merkt die Liebe zum Detail, die genaue Recherche, die handwerkliche Fertigkeit.
Sie versteht es, mit Perspektiven und Rückblenden umzugehen und dadurch ein Höchstmaß an Spannung zu erzeugen. Von Beginn an ist der Leser neugierig, will hinter das Geheimnis des Lebensborns kommen und schafft es kaum, das Buch wegzulegen oder gar seine Gedanken davon zu lösen. Über die Nazi-Vergangenheit ist viel geschrieben worden, dieses Buch hat Neues entdeckt, es aus den Kellern des Verdrängens ausgegraben und an das Tageslicht gezerrt. Eine Vergangenheit, über die viele nicht mehr gerne reden. Berührend hat Rebecca Abe die Personen gezeichnet. Sie alle hatten Schuld und waren doch selbst Opfer.

Dieses Buch sollte in Deutschlands und Österreichs höheren Schulen in das Leseprogramm aufgenommen werden. 

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